Hallo mein Name ist Werner Wenzl,
ich wohne in Gelsenkirchen und bin 51 Jahre alt. Ich bin einer von den zwei Gruppensprechern der Blaukreuz-Gruppe Haverkamp.

Ich meine, eigentlich hatte ich eine gute Kindheit und ich lebte bis zum 19.Lebensjahr mit noch 6 Geschwistern im Elternhaus.Damals wurde manerst mit 21 Jahren volljährig.

Mit 18 Jahren trat ich einer Clique bei mit denen ich drei Jahre zusammen war. Hier kam ich zum ersten Mal mit Drogen und Alkohol in Berührung.Bei Drogen blieb es gottseidank bei Cannabis und LSD. Jetzt denkt ihr bestimmt, das ist doch wohl schlimm genug. Aber mit der Zeit nahmen einige in unserer Clique noch härtere Drogen und ich war nahe daran diese auch zu versuchen.Dann lernte ich meine erste Frau kennen und das Aufsuchen unserer Clique wurde immer seltener. 1974 heiratete ich dann und im selben Jahr kam mein erster Sohn zur Welt.
Heute weiß ich das ich aber schon in dieser Zeit immer mehr trank wie meine Verwandten und Bekannten.1977 kam mein zweiter Sohn zur Welt,aber da fing es schon in meiner Ehe zu kriseln an.Wir gingen beide gerne in Kneipen und nüchtern kam ich da nie raus.Soviel konnte ich gar nicht verdienen und für Urlaub und Sauftouren wurden Kredite aufgenommen.Das konnte nicht lange gut gehen und 1982 reichte meine Frau die Scheidung ein.Um nicht alleine zu sein, zog kurze Zeit später eine neue Frau bei mir ein.Auch aus dieser Beziehung kam ein Mädchen zur Welt.Natürlich ging auch das schief. Wir trennten uns, und von da an wurde ich nicht mehr richtig nüchtern.Kredite und Unterhalt.Das wurde mir zu viel.Die Schulden wurden immer mehr.Mein Arbeitsplatz die Kokerei Consol wurde stillgelegt und ich kam zur Kokerei Zollverein.Zum Glück für mich merkte der Werksarzt und meine Vorgesetzten schnell was mit mir los war.Das sage ich heute wo ich trocken bin.Damals war ich sehr böse darüber.Ich war doch kein Alkoholiker.Ich bekam einen anderen Arbeitsplatz wo ich nichts anstellen konnte.Mit der Trinkerei wurde es noch schlimmer.Das ging noch ein halbes Jahr so weiter und ich brach immer häufiger zusammen.
In dieser Zeit habe ich auch meine Kinder endgültig verloren.Im Juli 1985 habe ich dann nach Hilfe gerufen und wurde im Marienhospital Wanne-Eickel aufgenommen.Dort blieb ich bis Dezember.Januar 1986 fuhr mich Herr Haake vom der Diakonie nach Daun in die Eifel und machte da noch 6 Monate eine Therapie.Eine Selbsthilfegruppe hatte ich vorher schon aufgesucht.Hier fand ich Menschen mit denen ich über meine Probleme reden konnte.An dieser Stelle noch mal Danke an alle die damals in der Blaukreuzgruppe Bismarck waren.
Nächstes Jahr bin ich 20 Jahre trocken. Ich habe in dieser trockenen Zeit viel erreicht. Ich habe neu geheiratet und habe heute keine Schulden mehr. Leider ist der Kontakt zu meinen Kindern nicht mehr zustande gekommen. Aber ich führe ein zufriedenes Leben. Und ich möchte allen sagen die noch nicht wissen was sie wollen. Auch wenn es noch so hart und schwer ist. Es lohnt sich.
An einen Spruch habe ich mich seid ich trocken bin immer gehalten.
  Gott gebe mir die Gelassenheit
die Dinge hinzunehmen die ich nicht ändern kann
den Mut die Dinge zu ändern,
die ich ändern kann
und die Weisheit
das Eine vom Anderen zu unterscheiden


Nachtrag

Wie ich Euch schon erzählt habe, habe ich in meinem Leben sehr viel erlebt und verloren. Ich möchte Euch Mut machen, nicht die Hoffnung aufzugeben. Ich habe es selbst erlebt, obwohl ich nicht mehr daran geglaubt habe, dass ich jemals wieder Kontakt zu meinen beiden Söhnen bekommen werde….doch…voller Freude kann ich Euch mitteilen, das der  Kontakt wieder da ist. Ich kann die Zeit leider nicht zurück drehen und weiß dass es niemals ein Vater und Sohn Verhältnis werden kann, da zu viele Jahre vergangen sind.

Aber …wir haben die Chance uns neu kennen zu lernen. Worauf ich mich sehr freue….

Ich bin dankbar dass ich die ganzen Jahre trocken geblieben bin. Denn ich kann sehen, dass es sich schon allein  dafür gelohnt hat. Da es mich sehr sehr glücklich macht.

Euer Werner
   Blaues Kreuz
  in der ev.Kirche
Ortsverein
Gelsenkirchen - Haverkamp