Zeitungsberichte

aus WAZ 23.10.2007

Immer mehr Jugendliche greifen zum Schnaps

Berlin. Immer mehr Jugendliche trinken mit Freunden zuhause flaschenweise Schnaps, lassen sich auf Partys vollaufen oder kommen mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus. Solchen Alkoholexzessen will die Bundes-Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) den Kampf ansagen. So trinke jeder zweite 16-17-jährige mindestens einmal monatlich Spirituosen, sagte Bätzing am Montag in Berlin anlässlich der Jahrestagung 2007 der Drogenbeauftragten. Der Handlungsbedarf sei dringend. Der Einstieg in den Alkoholkonsum müsse so weit wie möglich hinausgezögert werden. Kommunen und Länder sollten stärker mit dem Bund und Experten an einem Strang ziehen. Auch junge Testkäufer mit Behördenbegleitung gegen illegalen Alkoholverkauf an Jugendliche seien sinnvoll. Anders als in einem kürzlich zurückgezogenen Konzept von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) will Bätzing aber Testkäufer erst ab 16, nicht bereits ab 14 Jahren. Die Alkoholkonsumenten würden immer jünger, begründete Bätzing ihren Vorstoß. Jeder fünfte 14-jährige trinke wöchentlich. Rund 19400 Menschen zwischen 10 und 20 Jahren wurden – so das statistische Bundesamt – 2005 volltrunken in Kliniken gebracht – mehr als doppelt soviel wie vor fünf Jahre zuvor.  dpa
Kollege Alkohol

Schätzungen gehen davon aus, dass jeder siebte Arbeitnehmer ein Suchtproblem hat. Auf jedem 20. Arbeitsplatz sitzt jemand, der vom Alkohol abhängig ist.

Trinkende Mitarbeiter kosten ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Wie Unternehmen, Betriebsräte und Berater mit Betroffenen umgehen 26. JUNI, WELTDROGENTAGEssen. Das Land hat ein Alkoholproblem. Es wird zu viel getrunken, und das nicht nur von Tippelbrüdern auf den Bahnhofsvorplätzen. Die Flaschen klimpern überall: Schätzungen gehen davon aus, dass jeder 7. Arbeitnehmer ein Suchtproblem hat. Auf jedem 20. Arbeitsplatz sitzt jemand, der vom Alkohol abhängig ist. Besonders viel getrunken wird in "Durstberufen", wo Hitze und harte körperliche Arbeit herrschen. Aber auch so genannte Kontaktberufe (etwa Unternehmer, Vertreter) gelten als besonders gefährdet. Wenn trinkende Arbeitnehmer krank werden oder fehlerhaft arbeiten, verursachen sie wirtschaftlichen Schaden. Der gesamtvolkswirtschaftliche Ausfall durch Alkohol lässt sich nur schwer beziffern. Die deutsche Hauptstelle gegen Suchtgefahren nennt jedoch eine Summe von mindestens 25 Milliarden Euro im Jahr. Das ist ungefähr ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Und mehr als das Wirtschaftswachstum des Jahres 2005. Höchste Zeit also, etwas zu unternehmen. Das Problem dabei: Gerade am Arbeitsplatz werden Trinker oft so lange gedeckt, bis es zu spät ist für eine erfolgreiche Therapie. Beim Suchthilfezentrum Nikolausburg in Duisburg geht man seit den 80er Jahren gegen das Dulden und Wegsehen in Firmen an. Das Zentrum betreibt seit 1987 betriebliche Suchtberatung. Fünf Mitarbeiterinnen halten Suchtsprechstunden in großen Duisburger Unternehmen ab und schulen zum Beispiel Betriebsräte im Umgang mit trinkenden, tablettensüchtigen oder harte Drogen konsumierenden Kollegen. Dabei haben sie die Erfahrung gemacht, dass bei Suchterkrankungen von Arbeitnehmern merkwürdige Koalitionen entstehen: "Die Kollegen sagen meist: Ich schwärze meinen Kumpel nicht an - und schaden damit dem Süchtigen mehr als dass sie ihm helfen", erzählt Suchtberaterin Marlene Derendorf. Vor allem Betriebsräte zeigten oft den Reflex, sich vor den Suchtkranken zu stellen und ihn vor Sanktionen durch die Unternehmensleitung zu schützen. Meist seien daher allein die Vorgesetzten in der Lage, mit ihrem "wunderbaren Drohpotenzial" (Derendorf) die Betroffenen aufzuwecken: erste Abmahnung, zweite Abmahnung, fristlose Kündigung. Unternehmen tun gut daran, gegen Suchtkrankheiten vorzugehen. Sozialarbeiter haben auf Basis betrieblicher Daten folgende Rechnung aufgestellt: Wenn zehn Mitarbeiter, deren Leistungsfähigkeit durch Sucht eingeschränkt ist, zehn Jahre lang mitgeschleppt werden, verursacht das Kosten von 2,5 Millionen Euro. Bringt man sie rechtzeitig zur Therapie und ist die erfolgreich, können die Kosten auf rund 750 000 Euro gesenkt werden. Ganz zu schweigen vom Nutzen, den eine erfolgreiche Therapie für Betroffene und ihre Familien hat. "Manche Therapieteilnehmer kommen nach Monaten noch einmal in unser Zentrum, um sich zu bedanken", erzählt Marlene Derendorf. "Oft erkenne ich sie gar nicht wieder, so hat sich ihr Aussehen zum Guten verändert." Wenn alles gut geht, dürfen auch die alten Kollegen staunen. In vielen Unternehmen gibt es Betriebsvereinbarungen über den Umgang mit Suchtkrankheiten. Darin ist geregelt, dass der Arbeitgeber die ausgesprochene Kündigung wieder zurücknimmt, wenn der Mitarbeiter erfolgreich an einer Therapie teilgenommen hat.

25.06.2006 Von Achim Beer


ZEUS-Reporterinnen schrieben darüber, wie leicht Jugendliche an Alkohol kommen. Mitarbeiter des Jugendamtes reagierten mit einem belehrenden Brief. Lehrer und Schüler sind enttäuscht
Vier ZEUS-Reporterinnen hatten recherchiert, wie leicht Jugendliche an Alkohol kommen. Ihr Artikel "Mit liebem Blick überredet" erschien am 2. März. Daraufhin schrieben Mitarbeiter des Jugendamtes an den Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums. Und den Eindruck erwecke, dass gegen das Jugendschutzgesetz verstoßen worden sei. Denn Testkäufe von Minderjährigen seien verboten. Sie baten um Kontaktaufnahme.
Ralph Stenzel, betreuender ZEUS-Lehrer, antwortete schriftlich. Ein Brief, der von Wut und Enttäuschung erzählt: "Sechs Wochen recherchieren, sechs Wochen eigenverantwortlich produktiv sein und sich ernst genommen fühlen. Und das alles außerhalb der theoretischen Gedankenwelt des Klassenraums", schrieb Stenzel an die Stadt. Ironisch merkte er an: "Schade nur, dass auch Themen zur Sprache kommen, die nicht jedermanns Geschmack sind, wenn man vor der Realität nur zu gern die Paragraphenbrille aufsetzt, um die Welt in dem Lichte zu sehen, in dem man sie gern hätte." In eilfertigem Aktionismus würden Schulleiter schulmeisterhaft zurechtgewiesen, werde beim Ordnungsamt "gepetzt" und gedroht mit dem Verweis auf § 28, Abs. 4 Jugendschutzgesetz. "Keine Sorge: Es hat gar kein Kauf stattgefunden", so Stenzel. Die Jugend werde nicht gefördert, wenn Opfer zu Tätern degradiert würden. Stenzel: "Ihnen müsste doch beim Lesen der ZEUS-Seiten aufgefallen sein, dass das Thema des zu leicht möglichen Drogenerwerbs auch in Herne die Jugendlichen täglich beschäftigt. Schade um die vertane Chance: Schüler, Lehrer und die Abteilung Jugendförderung in einem Boot zum Wohle der Zielgruppe."
Die Stadt wies die Kritik zurück und verwies auf ein offensichtliches Missverständnis. Die Jugendförderer hätten nichts Böses im Sinn gehabt, so eine Sprecherin. Aber die Kollegen könnten nicht einfach weggucken, wenn möglicherweise gegen Gesetze verstoßen werde. Die Reaktion diene nur einem, dem Schutz der Jugend. Schließlich klopfe die Stadt auch jenen auf die Finger, die Alkohol an Kinder verkauften. Die Stadt warb gestern dafür, Kontakt mit dem Jugendförderer aufzunehmen, um die Sache gemeinsam aus der Welt zu schaffen. Im Detail, so die Sprecherin, könne man darüber streiten, ob es nicht besser gewesen wäre, zum Telefon zu greifen, anstatt einen förmlichen Brief zu schreiben.17.03.2006 waz
Alkoholverkauf an Jugendliche: Im Zweifelsfall müssen Verkäufer im Kiosk, in Getränkehallen oder Lebensmittelmärkten nach dem Ausweis fragen. Harte Alkoholika wie Whiskey oder Wodka dürfen nur an Erwachsene abgegeben werden.
18.3.06 Foto: Stefan Kuhn/pi
Alkoholverkauf an Jugendliche: Im Zweifelsfall müssen Verkäufer im Kiosk, in Getränkehallen oder Lebensmittelmärkten nach dem Ausweis fragen. Harte Alkoholika wie Whiskey oder Wodka dürfen nur an Erwachsene abgegeben werden. Foto: Stefan Kuhn/pi
Deutsche trinken nach wie vor zu viel Alkohol

Berlin (dpa) - Trotz leicht rückläufiger Zahlen trinken die Deutschen weiterhin zu viel Alkohol. Mit dem Pro-Kopf-Konsum von 10,1 Litern reinem Alkohol habe Deutschland auch 2004 zu den fünf traurigen Spitzenländern gehört. Das sagte der Sozialmediziner Christian Meyer bei der Vorstellung des »Jahrbuchs Sucht 2006« in Berlin. Beim Bier lägen die Deutschen sogar auf Platz drei, hinter Tschechien und Irland. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren forderte ein generelles Werbeverbot für alkoholische Getränke.

11.01.2006   dpa
Drogenkarriere beginnt meist unauffällig Wege in die Sucht

Alle Drogenkarrieren haben eines gemeinsam: Es fängt mit leichten Drogen an (zum Beispiel mit Alkohol, Zigaretten und Medikamenten).

Doch manchen Menschen reicht das nicht mehr, um ihren Alltag erträglich zu machen. Die Drogen werden immer härter (Morphium, Opium, Crack und Heroin). Und die Drogen werden teurer, so dass man sogar klaut oder auf den Strich gehen muss.

In welchem Alter fangen die meisten an? Die Betroffenen werden immer jünger. Die meisten fangen zwischen 13 und 14 Jahren an, oder vielleicht auch schon früher.

Warum fangen sie überhaupt an? Es gibt verschiedene Gründe, warum sie anfangen. Einige Gründe sind zum Beispiel Probleme in der Familie, Gruppenzwang, Verzweiflung und Lust, es mal auszuprobieren. Manche bekommen aber auch Drogen zum Beispiel ins Getränk gemixt und merken es nicht einmal.

Wo bekommt man Hilfe, wenn man Probleme mit solchen Dingen hat? Zum Beispiel in Krankenhäusern, Beratungsstellen, Broschüren, Internet (www.drogenberatung.de) und psychiatrischen Behandlungsstellen.

Hanna Lang Emel Ozan Mareike Lang Nadine Schmidt 8d, Gesamtschule Welper

aus WAZ 22.10.05
                             Drogen, Alkohol,Tabletten                           
Immer mehr
Entziehungskuren
Berlin - Arbeitnehmer in Deutschland
müssen immer häufiger wegen
Drogen - und Alkoholproblemen
behandelt werden.Die Bundesver-
sicherungsanstalt für Angestellte (BfA)
bewilligte im vergangenen Jahr 21 221
Entziehungskuren - (plus 6,1 Prozent).
Dagegen ging die Zahl der Reha-Kuren
insgesamt um 2,9 Prozent zurück.Im
Durchschnitt dauert der BfA-Entzug
für Drogen-, Alkohol und Tabletten-
süchtige knapp 89,5 Tage. (chs)
GOTTESDIENST Im Kirchraum des Bismarcker Gemeindehauses am Grieseplatz wurde ein neues Altarkreuz eingeweiht
Blaukreuzler bauten Vorurteile ab
GELSENKIRCHEN - Am Sonntag Exaudi hat die Kirchengemeinde Bismarck ein neues Altarkreuz im Kirchraum ihres Gemeindehauses am Grieseplatz eingeweiht. Es handelt sich um eine Spende der Blau-Kreuz-Gruppe Haverkamp, die sich regelmäßig in einem Raum des Gemeindehauses trifft.
"Wir wollten immer schon ein Kreuz in unserem Kirchraum haben, konnten es uns in diesen Zeiten aber nicht leisten", sagte Pfarrer Norbert Deka. Umso mehr freute er sich über die Spende der Blaukreuzler. "Ein Mitglied der Gruppe ist Schreiner", erzählte Deka. "Er hat das Holzkreuz gebaut und mit Hilfe von anderen Mitgliedern aufgestellt und beleuchtet."
Der Einweihungsgottesdienst am 8. Mai stand unter dem Titel "Kreuz-Träger". Hier stellte sich die Selbsthilfegruppe der Gemeinde vor. Gruppenmitglied Werner Wenzl freute sich über die Möglichkeit, Vorurteile abzubauen. "Wie Grippe und Blinddarmentzündung ist auch Alkoholismus eine Krankheit, die der Behandlung bedarf", sagte er. Wenzl ist neben Manuela Nibius Sprecher der Gruppe am Haverkamp. Beide berichteten den Gottesdienstbesuchern von Einzelschicksalen, von Menschen, denen der Alkohol zu einem Kreuz geworden war. "Sie fanden mit Hilfe der Blau-Kreuz-Gruppe wieder zurück in ein geregeltes Leben", sagte Wenzl. Nibius bedankte sich bei der Gemeinde, dass die Gruppe sich im Gemeindehaus treffen darf. "Die Suchtgeschichten gingen den Gemeindegliedern sehr nahe", so Deka. AR
Juni 2005 Unsere Kirche
Jugendliche rauchen und trinken weniger



Berlin. Die Zahl der Drogentoten sowie der jugendlichen Tabak- und Alkoholkonsumenten in Deutschland ist nach Angaben der Bundesregierung weiter zurückgegangen.

Das sagte die Drogenbeauftragte der Regierung, Marion Caspers-Merk, bei der Vorstellung des Drogenberichts am Mittwoch in Berlin. Die Zahl von 1385 Drogentoten im Jahr 2004 sei der niedrigste Stand seit 1989. Alarmierend sei allerdings die Zunahme des Cannabis-Konsums. Erfreuliche Rückgänge habe es bei der Zahl jugendlicher Raucher und beim Verbrauch so genannter Alcopops gegeben.

Caspers-Merk warb für die innerhalb der Regierung umstrittene, zum 1. September geplante dritte Erhöhung der Tabaksteuer: "Die volkswirtschaftlichen Schäden des Rauchens sind deutlich höher als die Einnahmen, die der Staat aus der Tabaksteuer hat."

Unterdessen beschloss das Kabinett am Mittwoch ein Werbeverbot für Tabakprodukte, obwohl Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof gegen eben diese EU-Richtlinie klagt. Die Regierung muss die Richtlinie noch in diesem Jahr in deutsches Recht umsetzen. Andernfalls droht ihr ein teures Vertragsverletzungsverfahren. (rtr)

aus WAZ 19.05.05
Jugendliche im Alkoholrausch
Studie: Seit Einführung der Alcopops trinken junge Menschen mehr

Jugendliche greifen immer häufiger zur Flasche, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Sie trinken zwar weniger Wein und Bier, der Anteil junger Leute, die Alcopops in sich reinschütten, hat sich in den letzten drei Jahren aber verdoppelt. Heutzutage werde in der Altersgruppe der Zwölf- bis 19-Jährigen rund 48 Prozent mehr Alkohol getrunken als noch vor drei Jahren, besagt eine Studie der Bundeszentrale. 71 Prozent der 16- bis 19-Jährigen greife mindestens einmal pro Monat zu Alkohol-Mix-Getränken, bei den Jüngeren sind es 28 Prozent Seit 1973 führt die Bundeszentrale in regelmäßigen Abständen eine repräsentative Befragung zur "Drogenaffinität Jugendlicher" durch. Für diese Studie werden bundesweit etwa 3000 junge Menschen zwischen 12 und 25 Jahren befragt. Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung zeigen: Seit der Einführung der Alcopops trinken Jugendliche häufiger und mehr Alkohol.
34 Prozent der Befragten veranstalten mindestens einmal im Monat ein so genanntes "Koma-Saufen", bei dem fünf oder mehr Alkoholgetränke hintereinander geschluckt werden. Acht Prozent der jungen Männer besaufen sich gar sechs Mal im Monat bis zur Besinnungslosigkeit.
Das Durchschnittsalter für den ersten Rausch liegt laut der Studie bei 15,5 Jahren. Der Hauptgrund für das Trinken ist für 67 Prozent der Befragten, dass Alkohol für eine bessere Stimmung sorgt und sie besser "aus sich herausgehen" können. Rund ein Drittel gab als Begründung für das Trinken an, Alkohol fördere "in Maßen die Gesundheit". Um ihre deprimierte Stimmung aufzuhellen, trinken 13 Prozent. Die Umfrage wurde noch vor der im August eingeführten Sondersteuer auf Alkopops durchgeführt. Ob die Steuer Wirkung zeigt, soll mit eine Untersuchung im kommenden Jahr festgestellt werden.
Die Bundeszentrale hat aber schon in diesem Jahr reagiert. Bereits im Sommer stockte sie ihre Aufklärungsangebote auf. Unter www.drugcom.de können sich Jugendliche über die Wirkung und die Gefahren von Alkohol informieren. Unterrichtsmaterial zum Schwerpunktthema Alcopops stellt die Zentrale für die Klassen 5 bis 10 zur Verfügung.
Das Suchtberatungstelefon der Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung ist montags
bis donnerstags von 10 bis 22 und freitags
bis sonntags von 10 bis 18 Uhr unter der
Nummer 0221/89 20 31 erreichbar. (afp/WAZ)

aus WAZ 20.12.04
Suchtgefahr Künast will
Alkohol-Brause stoppen       
     
Alkohol als Brausepulver - mit dieser Erfindung will ein Unternehmen aus NRW das große Geld machen. Doch jetzt schreitet die Bundesregierung ein!
Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen hatte die Regierung erst vor kurzem eine Sondersteuer auf alkoholhaltige Mixgetränke eingeführt.
Doch als wasserlösliches Pulver werden die Alcopops nicht vom Gesetz erfaßt. Das Instantgetränk ( Alkoholgehalt: 4,9% ) gibt es in den
Geschmacksrichtungen Blackberry-Wodka, Limette-White Rum, Tropical White Rum und Blutorange-Wodka - für 1,99 Euro pro Beutel.
Der Hersteller liefert nach eigenen Angaben jeden Tag bis zu 20000 Beutel aus.
Verbraucherschutzministerin Renate Künast ( Grüne ) schlägt Alarm:
Offenbar haben in der Branche immer noch nicht alle verstanden, daß es
darum geht, Jugendliche vor den Gefahren des Alkohols zu schützen so
Künast zu Bild am Sonntag.
Solche fragwürdigen Erfindungen werden wir genau unter die Lupe nehmen,
wenn wir die Sondersteuer in einem Jahr überprüfen.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers- Merk ( SPD )
kritisiert die Hersteller des Pulvers scharf: Es ist unethisch daß nun mit
neuen alkoholischen Panschgetränken versucht wird, auf Kosten der
Gesundheit von Jugendlichen Geschäfte zu machen.
Auch Caspers - Merk will die Sondersteuer notfalls auf das Pulver ausweiten:
Bislang handelt es sich nur um Exoten, die vom Verbraucher nicht angenommen werden. Wenn sich hier tatsächlich ein neuer Markt erschließt
werden wir handeln.     ( kel )

WAZ Ruhrgebiet. Die Sondersteuer auf Alcopops ist da. Höhere Preise sollen vor allem Jugendliche dazu bringen, die Finger von den hochprozentigen Getränken zu lassen. Genau das tun zumindest einige Unternehmen und Händler schon jetzt und nehmen Alcopops aus ihrem Sortiment.

Ihre Alkohol-Dosis entspricht der von bis zu vier Schnäpsen, und gepaart mit einer nicht unbeachtlichen Menge Zucker galten die so genannten Alcopops bislang als alkoholische "Einstiegsdroge". Vor allem 14- bis 17-Jährige betranken sich mitunter bis zum Umfallen.
Zu Schluckbeschwerden haben die heißbegehrten Alcopops (Alkohol-Mischgetränke) bei Drogenbeauftragten geführt. Die Industrie umgeht die Sondersteuer häufig, indem sie den Mix der Getränke ändert. WAZ-Bild: Matthias Graben
Aus Alcopops ist die Luft fast raus
Durch die Sondersteuer wird jede Flasche der Getränke auf Branntweinbasis ab sofort 80 bis 90 Cent teurer. Je nach Volumen und Alkoholgehalt. Bisher waren 6er-Pakete, etwa der Marke "Smirnoff Ice", noch für 6,66 Euro zu haben. Der Preis für neue Ware läge dementsprechend bei fast 12 Euro. Angesichts dieser Preissteigerung sind Alcopops bei vielen Händlern nicht mehr zu haben.

Die Industrie allerdings umgeht die Sondersteuer nun häufig, indem sie kurzerhand die Rezepturen ihrer Mixgetränke geändert hat. Die Händler vermuten schon jetzt, dass sich nur noch erfolgreiche Marken halten werden. Nun wird dort, wo früher Wodka, Campari oder Rum enthalten war, auf einen Weinzusatz umgestellt. Ein Nebeneffekt: Die neuen Produkte, die schon jetzt von manchen "Vinopops" genannt werden, sind schon ab 16 Jahren erhältlich, anders als Alcopops, die nur an Volljährige verkauft werden durften. "Wir werden die Standardmarken weiterhin führen, von anderen Randprodukten werden die Restbestände noch verkauft", erklärt Christian Uhe, Inhaber eines Trinkgut-Getränkemarkts in Hattingen. Überhaupt müsse man erst abwarten, wie die Kunden auf die erhöhten Preise reagieren. Denn schon in den vergangenen Monaten sei das Geschäft mit den alkoholischen Limo-naden stark zurückgegangen. "Es scheint fast so, als hätte die Diskussion um die Sondersteuer einen Image-Wechsel herbeigeführt", mutmaßt Uhe. Inzwischen hätten Biermix-Getränke die Alcopops als Modeerscheinung abgelöst. Für eine andere Vorgehensweise entschied sich das Unternehmen Rewe. "Schon im Mai haben wir circa 20 Alcopop-Sorten aus dem Verkauf genommen", erklärt Pressereferent Andreas Krämer. Doch nachdem die Industrie die Rezeptur geändert habe, böten auch die zum Unternehmen gehörenden Märkte wie HL, Minimal und Penny vier oder fünf der neuen weinhaltigen Getränke an.Den Erfolg der neuen Mixturen zweifelt Ernst Beilmann, zuständig für den Getränkeeinkauf bei Edeka Rhein Ruhr, stark an. "Ähnliche Getränke gab es schon früher, und der Erfolg war gleich Null", begründet er die Entscheidung, künftig weder Alcopops noch die neuen Getränke auf Weinbasis anzubieten. Das Image dieser Produkte sei inzwischen ohnehin zu negativ und ließe sich den Kunden nur noch schlecht vermitteln.

Das mag der Drogenbeauf-tragten der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, gefallen. Trotzdem kündigte sie an, sehr genau zu beobachten, ob Jugendliche künftig verstärkt auf Wein- oder Biermixgetränke umsteigen. Einen Verschiebungseffekt wolle sie in keinem Fall zulassen und gegebenenfalls einschreiten. Die Drogenbeauftragte hatte im Vorfeld bereits kritisiert, dass Alcopops vor allem gezielt bei Jugendlichen vermarktet wurden, und hatte deshalb die Sondersteuer gefordert. Der Spirituosen-Hersteller Diageo, der unter anderem "Smirnoff Ice" produziert, hatte erfolglos versucht, die "Strafsteuer" vor dem Bundesverfassungsgericht untersagen zu lassen.

12.08.2004 Von Oyindamola Alashe

aus WAZ 13.08.04
Berlin.                                                          
Mit neuen alkoholhaltigen Getränken umgehen Spirituosenhersteller die Sondersteuer auf Alcopops. Indem sie bei gleichem Alkoholgehalt
Wein als Basis statt "harter Getränke" wie
Wodka oder Rum verwenden, müssen sie die seit dem 1. August geltende Steuer von 80 bis 90 Cent pro Mixgetränk nicht zahlen.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung,
Marion Caspers-Merk (SPD), sieht jedoch noch
keinen Anlass, gegen die neuen Getränke
vorzugehen. Die Grünen hingegen wollen die
Alcopop-Sondersteuer ausweiten, um die
Ausweichstrategie der Getränkeindustrie
abzublocken. "Wir werden nach der Sommerpause aktiv werden", sagte die verbraucherpolitische Sprecherin Ulrike Höfken am Dienstag. (dpa)

aus WAZ 04.08.04
Sonderabgabe auf Alcopops
Berlin. Ab August wird auf alkoholische Mixgetränke - so genannte Alcopops - eine Sonderabgabe fällig. Der Bundestag wies mit Kanzlermehrheit den Einspruch der Länderkammer gegen das Gesetz zurück. Die Regelung sieht eine Abgabe von rund 84 Cent auf  jede 0,275-Liter -Flasche vor, die eine  Mischung von Alkohol und Limonade enthält. Die Getränke dürfen nur an  Jugendliche über 18 Jahre verkauft werden. Zudem sieht das Gesetz ein Verbot von Kleinpackungen mit weniger als 17 Zigaretten sowie die kostenlose Zigaretten - Abgabe vor.  (rtr)
aus WAZ 10.07.04
Berg und Tal im Geschäft mit Alcopops

Frankfurt. Der Spirituosenhandel hat 2003 von der großen Nachfrage nach Mixgetränken aus Alkohol und Limonaden profitiert. Der Absatz der so genannten Alcopops sei um rund 50 Prozent auf 140 Millionen Flaschen gestiegen,berichtete der Bundesverband der Deutschen Spiritiousen-Industrie und - Importeure.Trotz der spürbaren Konsumzurückhaltung sei wegen des Booms der Alkopops sowie einer konstant hohen Nachfrage nach klassischen Produkten wie Likören und Weinbränden der Absatz von 828 Millionen auf 834 Millionen Flaschen gestiegen,
Die Diskussion um die Einführung einer Sonderabgabe auf die Alcopops hat nach Verbandsangaben in den ersten 4 Monaten des laufenden Jahres zu einen Umsatzrückgang von 25 Prozent geführt. Nach dem Willen der Regierungskoalition sollen die Preise für 0,275 Liter-Flaschen der Mix-Getränke um 84 Cent steigen.Mit dem Anliegen befasst sich nun der Vermittlungsausschuss,nachdem die Unionsmehrheit im Bundesrat dagegen gestimmt hat (dpa)

aus WAZ 15.06.04
Zug um Zug zur Flasche

aus WAZ 15.06.04
Ende vergangener Woche kam für viele Eltern eine schlechte Nachricht. Die Unionsmehrheit im Bundesrat blockierte die geplante Sondersteuer auf Alcopops.Diese Mix-Getränke aus Alkohol und Limo sind bei den 14-bis 17-Jährigen die beliebtesten Rausch-Macher.
Gestern kam für viele Eltern eine relativ gute Nachricht.Auch wenn die Sondersteuer noch auf sich warten lässt-sie wirkt schon.Ernüchternt stellte der Verband der Spiritiousenindustrie fest,dass der Umsatz mit den sprittigen Trendbrausen in den ersten vier Monaten dieses Jahres um fast ein Viertel eingebrochen sei.Die Branche wird damit gut leben können.Denn 2003 haben die Alcopops mit ihren sprudelnden Absatz die Konsumzurückhaltung der übrigen Spiritiousen-Trinker mehr als ausgeglichen.
Was die schnapsmacher freut,stößt Kinder-und Jugendärzten sauer auf.Nach ihren Angaben liegt Deutschlands Nachwuchs beim Alkoholmissbrauch europaweit auf Platz 4.Übertroffen wird dies nur von ihrem Zigarettenkonsum.Da haben sich unsere Kinder und Jugendlichen Zug um Zug den Spitzenplatz erpafft.  wilb
Zeitungsartikel
Jeder fünfte Deutsche hat ein Alkoholproblem
Panorama, 26.04.2011, DerWesten

Alkohol und Zigaretten - die Volksdrogen der Deutschen. Jeder fünfte Deutsche hat laut Hauptstelle für Suchtfragen ein Alkoholproblem. (Foto: imago)
Berlin. Die Deutschen rauchen weniger - trinken aber weiterhin viel. Wie aus dem "Jahrbuch Sucht" der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen hervorgeht, hat jeder fünfte Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren ein Alkoholproblem.
Es wird weniger geraucht, aber weiterhin viel getrunken - das ist das Ergebnis des Jahrbuchs Sucht 2011, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen am Dienstag in Berlin vorstellte. Geschäftsführer Raphael Gaßmann nannte die Situation bezüglich des Alkohols "dramatisch". "Der Alkoholverbrauch bleibt entschieden zu hoch, zu riskant, zu folgenreich", erklärte er.
Die Hauptstelle ging davon aus, dass jeder fünfte Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren ein Alkoholproblem habe. Zwar ging die jährlich konsumierte Menge reinen Alkohols leicht zurück, doch falle diese Entwicklung "zu gering" aus, um Gesundheitsschäden zu vermeiden

Zahl der Alkoholvergiftungen seit 2000 mehr als verdoppelt
Laut der Hauptstelle für Suchtfragen ist die Anzahl an Alkoholvergiftungen zwischen 2000und 2009 um fast 112 Prozent gestiegen. Besonders dramatisch fällt die Entwicklung mit
einem Plus von etwa 194 Prozent in der Altersgruppe der 20- bis 25-Jährigen aus. Auch bei den Senioren liegt die Zahl mit rund 181 Prozent Steigerung über dem ermittelten Durchschnitt.
Rund 73.000 Todesfälle gingen jährlich auf "alkoholbezogene Gesundheitsstörungen" zurück, erklärte Gaßmann. Ein Fünftel aller Todesfälle in Deutschland zwischen 35 und 65 Jahren seien alkoholbedingt, bei Männern sogar ein Viertel.
Deutlicher Rückgang beim Tabak
  73.000 Todesfälle gehen Jahr für Jahr auf "alkoholbedingte Gesundheitsstörungen" zurück, berichtet die Hauptstelle für Suchtfragen.
Positiver sieht die Hauptstelle die Entwicklung beim Tabak: Der Rückgang sei deutlich, wenn auch mit 1,6 Prozent im Jahr 2009 nur noch halb so intensiv wie im Vorjahr (3,8 Prozent), hieß es in einer Mitteilung. Die Tabaksteuereinnahmen seien 2009 um 1,5 Prozent auf rund 13,4 Milliarden Euro gesunken, während sie 2008 um etwa 4,8 Prozent zurückgegangen seien.
In Deutschland rauchen rund 29 Prozent der 18- bis 64-Jährigen, Männer (rund 32,8 Prozent) sind dabei stärker vertreten als Frauen (etwa 25,5 Prozent). Die Hauptstelle sprach von etwa 110.000 bis 140.000 durch Tabakkonsum verursachten Todesfällen jährlich.
Kein Trend bei Medikamenten erkennbar
Bei den Medikamenten mit Suchtpotenzial konnte die Hauptstelle keinen eindeutigen Trend ausmachen, weil die Mittel häufig im Internet, also am Arzt vorbei, erworben würden. Schätzungen gingen von 1,4 Millionen Abhängigen aus.
Bei den illegalen Drogen vermutete die Hauptstelle in Deutschland etwa 3,3 Konsumenten je 1000 Einwohner im Alter von 15 bis 64 Jahren. Rund 220.000 Menschen konsumierten regelmäßig Cannabis. Bei Kokain oder Amphetaminen fielen die Zahlen noch geringer aus, hieß es.
Preiserhöhungen gefordert
Insgesamt sprach die Hauptstelle von "nur geringfügigen Reduzierungen legaler Suchtmittel" und forderte unter anderem Preiserhöhungen und eine Verringerung des Angebots. Gaßmann warf Politik und Medien vor, "eigene Regeln" für verschiedenen Suchtmittel zu schaffen - "je nach Lobbypartnern und Wahlterminen". "Bei Tabak ist allen Konsumenten unmissverständlich klar, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist." Das gleiche gelte jedoch auch für Alkohol, Medikamente und illegale Drogen wie Heroin oder Marihuana, erklärte er. (dapd)

   Blaues Kreuz
  in der ev.Kirche
Ortsverein
Gelsenkirchen - Haverkamp